INTERVIEW IN DER FRANKFURTER RUNDSCHAU

Interview in der Frankfurter Rundschau

In einem sehr angenehmen Open Air-Interview haben wir uns mit der sympathischen Redakteurin Kathrin Rosendorff (Bild oben, rechts) über unser neues Album und unsere kreative Arbeit unterhalten. Mit dabei natürlich unser vierbeinige Bandmanager Mayo Rakete.

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„Unser Kind ist die Musik“

Ein Frankfurter Ehepaar macht seit Jahren gemeinsam als „Pathos Legal“ Poetry-Elektro-Pop. Mit ihrem aktuellen und vierten Album gehen sie jetzt auf Tour.

Mayo Rakete trägt weißes Bettlaken mit Augenschlitzen und posiert auf einem grauen Sofa. Er sieht aus wie Hui Buh, das Schlossgespenst. Bloß in der Version eines superflauschigen Pudelmischlings. Der Band-Hund ist an einem Maitag geboren (mayo ist das spanische Wort für Mai) und lebte früher mal in Spanien auf der Straße. Heute ist der energiegeladene (deswegen Rakete) Elfjährige ein Alt-Sachsenhäuser und das Cover-Model des Albums „Du, mein wilder Geist“ der Band „Pathos Legal“.

Zum Interview ins Café Mola am Südbahnhof kommt Mayo Rakete ohne Verkleidung. Dafür mit seinen Herrchen Alexandra Becht und Berkant Özdemir. Das Sachsenhäuser Ehepaar ist zusammen das Duo „Pathos Legal“. Ihre Musik ist fern von Mainstream-Pop. Sie selbst bezeichnen sie als Poetry-Elektro-Pop. Mit ihrem aktuellen und vierten Album gehen sie jetzt auf Tour. Zum ersten Mal spielen sie im europäischen Ausland: in Holland, Österreich und der Schweiz. In der Hoffnung, neue Fans zu gewinnen.

„Ich habe immer ein Album in meiner Handtasche. Man weiß ja nie, wen man so trifft“, sagt Alexandra Becht, die in Rodgau aufgewachsen ist, und lacht. Sie könnte bei „Der Herr der Ringe“ eine dieser zarten Elfen spielen: lange, rotblonde Haare, zierliche Statur. Auch die Stimme der 38-Jährigen ist sanft. Sie singt und schreibt die Texte. Dieter Bohlen würde sie kein Album geben: „Er würde unsere Musik nicht verstehen.“ Man müsse kein Akademiker sein. „Aber man muss sich auf unsere Musik einlassen und sie mehrmals hören, bis sie ins Ohr geht“, sagt Becht.

Ihr Mann Berkant Özdemir ist gebürtiger Frankfurter. Er trägt Glatze zu Vollbart, ist einer, der wenig Worte braucht und ein authentisches Lächeln hat. Der 42-Jährige komponiert die Melodien zu den Texten seiner Frau und spielt Gitarre. Als Jugendlicher hatte er eine Heavy-Metal-Band.

„Das ist sehr fern von dem, was wir heute machen“, sagt Özdemir und grinst. Pathos Legals Video zu ihrem Lied „Keine Kunst“ lief bereits bei der 3Sat-Sendung „Kulturzeit“, und beim hippen TV-Sender „joiz“ waren sie schon zu Gast.

Am 27. Mai kam der Titelsong ihres aktuellen und gleichnamigen Albums „Du, mein wilder Geist“ als Orchester- und Pianoversion heraus. Auch ein Musik-Video ist nun online. „Es geht bei dem Lied um den inneren, wilden Geist und darum, den Mut zu haben, diesen zuzulassen und sich nicht ein gesellschaftliches Korsett anzuziehen“, erzählt Becht. „Unsere wildeste Idee bislang war, dass wir unsere Musik trotz vieler Durststrecken seit 15 Jahren am Leben halten. Und die Gitarre nicht einfach in die Ecke gestellt haben wie andere Musiker in unserem Alter“, so Becht.

„Wir haben bewusst Sicherheiten aufgegeben, unsere Arbeitszeiten reduziert, um mehr Zeit für die Musik zu haben“, betont sie. Wie so ziemlich alle Musiker hoffen sie, irgendwann von der Musik allein leben zu können.

Bislang haben sie aber noch Geldverdien-Jobs: Becht im PR-Bereich, Özdemir, der ein BWL-Studium absolviert hat, in der IT-Branche.

Becht landete zunächst nach ihrer Ausbildung zur Werbekauffrau als Texterin in der Werbung. Aber sie merkte schnell, dass das keine wirklich kreative und freie Plattform war. Also fing sie mit Poetry Slam an und war da vier Jahre lang erfolgreich. Schon da waren das keine Geschichten, die sie erzählte, sondern Songtexte. „Es wurde immer singsangiger“, so Becht. Aber weder Singen noch Musik auf der Bühne war bei den Poetry-Slammern erwünscht. „Sie sagten zu mir: ‚Das ist doch kein Gesangswettbewerb.‘ Und dann entschloss ich mich: Das ist nicht mehr meine Bühne.“ 2001 gründete sie mit ihren Mann die Band und nahm Gesangsunterricht.

Der Bandname Pathos Legal war erst bloß ein Songtitel. Zu dem Zeitpunkt sei deutsche Popmusik noch nicht so gängig gewesen wie heute. „Und wenn man damals deutsche Musik gemacht hat, war die erste Reaktion: „Oh Gott, da kommen die mit ihrer Gefühlskeule.“ Ihre ironische Antwort war der Songtitel: „Achtung, hier kommt ein großes Gefühl: Pathos Legal!“ Becht lacht.

„Wie andere Kinder kriegen, ist unser Kind die Musik. Es ist unglaublich schön, als Paar einen kreativen Output zu haben“, erzählt sie. Wie lange sie nun genau verheiratet sind, wissen beide nicht. „Zahlen spielen keine große Rolle für uns“, sagt Özdemir. „Kennengelernt haben wir uns in dem Jahr, als der Song von Max Herre und Joy Denalane ‚Mit Dir‘ ein Hit war“, weiß zumindest seine Frau. Das war 1999.

Ganz untypisch in der Popmusik geht es bei ihren Liedern nie um Liebe. „Die Liebe ist musikalisch einfach echt schon abgehandelt“, findet Özdemir. Seine Frau sagt: „Liebeslieder sind textlich das Platteste, mit dem man sich beschäftigen kann.“

Sie schreibt lieber über ganz andere Dinge: Manchmal kleine Momente, die jeder kennt: wie der peinliche Augenblick, wenn man auf der Straße geht, aus irgendeiner Tollpatschigkeit heraus hinfällt und Fremde einen anstarren. „Das ist mir auch schon passiert: Und ich habe nur gedacht: Geht doch bitte einfach weiter!“ Alexandra Becht lacht.